Lebe nach deinen eigenen Regeln

“Du hast nur ein Leben, nutze es” – Interview mit Tim Chimoy

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Du hast nur ein Leben. Weißt du das? Ja, sicher. Aber ist dir das tatsächlich bewusst? Das heißt: nutzt du das eine Leben, was du hast? Lebst du so, wie du es gerne hättest?

Lebe nach deinen eigenen Regeln – Lebe selbstbestimmt. Tim Chimoy

Falls nicht, ist es höchste Zeit das zu tun, was du willst. So zu leben, wie du es dir wünschst. Fange jetzt damit an. Gehe die ersten Schritte.

Tim unterstützt dich zum Beispiel gerne dabei ortsunabhängig zu leben und zu arbeiten. Wie, wo, was? Ich habe ihn aus dem Nähkästchen plaudern lassen…

“Du hast nur ein Leben, nutze es” – Interview mit Tim Chimoy

1. Hey Tim – schön, dass du da bist. Bitte stelle dich kurz vor.

Hey Valeria. Vielen Dank für deine Einladung zum Interview. Mein Name ist Tim Chimoy, ich bin in erster Linie Architekt und verdiene meine Brötchen vor allem mit einem Zeichenservice für Architekten, zu finden unter www.tuscheteam.de Das Ganze betreibe ich ortsunabhängig.Lebe nach deinen eigenen Regeln

Über meine Erfahrungen mit dem ortsunabhängigen Arbeiten schreibe ich nebenher auf www.earthcity.de. Zudem habe ich dazu auch ein Buch* geschrieben. Wem das noch nicht genug ist: Seit Kurzem betreibe ich den Blog www.stilnomaden.de, gemeinsam mit zwei Freunden.

2. Das Motto von deinem Blog earthcity lautet “Lebe nach deinen eigenen Regeln”. Wenn du überhaupt Regeln hast, wie sehen sie aus und wie hältst du dir diese stets vor Augen?

Life is about the people you meet and the things you create with them. Go out and start creating.

Ich mag diesen Satz sehr. Er macht alles so schön simpel und gibt dir eine klare Handlungsaufforderung. Man kann sein Leben daran ausrichten, darf nur nicht ganz vergessen, dass irgendwo beim Kreieren auch noch Geld reinkommen muss. Aber es stimmt: Das wichtigste im Leben ist die Beziehung zu dir selbst und zu anderen Menschen um dich herum. Das wird mir mit jedem verstrichenen Tag ein wenig bewusster. Dafür bin ich dankbar.

Zu den Regeln: Viele Regeln habe ich ehrlich gesagt nicht. Wenn ich eines nicht so sehr an mir mag, ist es, dass ich eigentlich ein ziemlich unorganisierter, fast chaotischer Mensch bin. Ich sehne mich immer sehr nach Ordnung. Schaffe es aber selbst nicht, diese (vor allem in meinem Kopf) herzustellen. Mein Kopf ist ein schweizer Käse und ich werde vermutlich mit 50 schon Alzheimer bekommen. Nee, Spaß. Aber zu viele Regeln und zu viel Ordnung sind nicht mein Ding. Routinen hingegen mag ich. Man kann meinen Satz “Lebe nach deinen eigenen Regeln” besser so übersetzen: “Lebe selbstbestimmt.”

Übrigens: Ich mag zwar Ordnung. Geregelte Abläufe. Feste Strukturen. Aber gleichzeitig langweilen sie mich schnell. Verrückt oder? An der Stelle bin ich ein wenig Schizophren.

Wie war die Frage noch gleich?

3. Mir gefällt deine Art – du sprichst ruhig, aber dennoch klar, offen und ehrlich über dich, deine Fehler und Erfolge und gibst viele Tipps und Tricks preis – danke dafür!

Was denkst du war/ist beim ortsunabhängigen Leben und Arbeiten dein größtes “Problem” und der wichtigste Schritt dieses zu lösen?

Vielen Dank. Das freut mich wirklich sehr zu hören. Ich bin innerlich ein sehr unruhiger Mensch – das fällt vielen Leuten schwer zu glauben, da ich nach außen wohl immer sehr ruhig und bedacht wirke. Ist aber gar nicht so. Aber ich bin schon sehr selbstreflektiert. Vielleicht liegt’s daran.

Zur Offenheit: Das war ein langer Weg. Ich war nicht immer so. Das Bloggen hat da sehr geholfen. Irgendwann denkst du dir halt: Fuck it. Sei einfach offen und ehrlich. Es war mir ab einem gewissen Zeitpunkt tatsächlich wurschtegal, was andere denken und ich habe mich nicht mehr zurückgehalten, alles raus zu lassen. Das war eine unglaublich gute Entscheidung im Nachhinein. Das öffnet so viele Türen.

Zu deiner Frage, was mein größtes Problem war: Zweifelsohne die Routine. Das ist ein Problem, für das ich immer noch keine Lösung habe. Ich arbeite zwar ortsunabhängig, jedoch biete ich eine Dienstleitung an und muss für die Kunden schon häufig auch erreichbar sein. Ich arbeite da immer noch an mir, überlege sogar, mir nächstes Jahr ein festes Büro zu nehmen. Für mich ist Ortsunabhängigkeit vor allem etwas, das im Kopf abläuft. Nur weil ich ein Büro habe, heißt das ja nicht, dass ich nicht 4 Monate im Jahr von woanders arbeiten kann. Ich sehne mich aber eher nach mehr Routine, als nach weniger.

4. Blogs, eBooks, Vorträge uvm. – wie kam es eigentlich zu all dem, was du jetzt machst? Gab es ein entscheidendes Erlebnis oder eine bereichernde Erkenntnis?

Es gab mehrere. Mein Lebensweg hatte so einige Dinge für mich parat, die mich auf den jetzigen Weg geführt haben. Ein gut bezahlter Job als Projektmanager im Bauwesen, den ich gehasst habe. Viele Erlebnisse auf Reisen. Mein ständiges Fernweh. Vor allem auch der Tod meiner Schwester. Das hat mich stark verändert. “Du hast nur ein Leben, nutze es.” Dieser Satz ist ein wenig abgenudelt, wir hören ihn mittlerweile ständig. Aber er ist wahr und man sollte ihn sich täglich auf der Zunge zergehen lassen.

5. Würdest du von dir behaupten, dass du – jetzt – glücklich und frei bist oder geht da noch was? Und welchen einen Tipp willst/kannst du geben, um glücklich, frei, selbstbestimmt und ortsunabhängig leben und arbeiten zu können?

Eines ist mir ganz wichtig zu sagen: Ortsunabhängigkeit ist nur ein Werkzeug. Es ist absolut kein Allheilmittel, um glücklich zu sein. Deine Probleme lösen sich nicht von allein, nur weil du selbst entscheiden kannst, von wo du arbeitest.

Viele Menschen missverstehen das. Letztens bekam ich tatsächlich eine Mail: “Ich habe nun meinen Job gekündigt und habe alles so gemacht, wie ihr immer auf euren Blogs schreibt. Jetzt finde ich aber nichts, um Geld zu verdienen. Was kann ich tun?”

Vergessen wir diese ganzen Begriffe “digitale Nomaden” oder “ortsunabhängige Webworker” mal für einen Moment. Was bist du eigentlich? Unternehmer. Selbstständiger, oder Freelancer. Du musst erst einmal selbstständig erfolgreich sein, bevor du den nächsten Schritt gehen kannst. Bau ein Business auf. Fokussiere dich darauf. Es geht hier nicht darum, deine Probleme zu lösen, sondern Geld zu verdienen mit etwas, das dir Spaß macht. Wenn du unglücklich bist, hat das oft ganz andere Gründe. Löse das erstmal, bevor du ortsunabhängig umherziehen willst.

Ich glaube, mit zu viel Freiheit ist es ein wenig wie mit Drogen. Sie verstärken alles nur. Wenn du eh schon instabil bist, wird es nur noch schlimmer, wenn du nun auch noch meinst, du müsstest durch die Weltgeschichte reisen. Da sollte man sehr vorsichtig sein und in sich reinhören, was gut für einen ist.

Nun zu deiner Frage: Ich bin relativ frei und das genieße ich sehr. Glücklich? Hm. Das kann ich so pauschal nicht beantworten. Manchmal bin ich sehr glücklich, manchmal eben nicht. So wie auch davor schon. Glück entsteht durch Beziehungen mit Menschen und vor allem auch mit der Beziehung zu sich selbst. Das hat erst einmal gar nix mit Ortsunabhängigkeit zu tun.

Ich liebe es, frei zu sein. Ich will nicht mehr tauschen. Mein Leben ist toll. Aber ich habe auch verdammt schlechte Tage, so wie jeder. Auch bei mir gehen Beziehungen zu Bruch, enttäuschen mich Menschen oder ich enttäusche sie. Ich fühle mich mal sehr allein, am nächsten Tag fühle ich mich pudelwohl und aufgefangen im Kreise lieber Menschen. Ich habe mal Pech, mal Glück. Auf und ab. Alles ganz normal. So wie es sein muss.

Was ich wirklich lieben gelernt habe, ist Ungewissheit. Klingt verrückt, aber ist so. Sie ist mein Freund geworden (siehe auch meinen Artikel dazu auf Earthcity). Sie gibt meinem Leben die nötige Würze und hält mich auf Trapp.

Danke dir, Tim und alles Gute weiterhin!

Du hast nur ein Leben. Nutzt du es?

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Categories: Blog, Menschen

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